früher, als die Kinder und die Katze noch da waren

Letzte Woche gab es bei uns Backfisch mit dänischer Mayonaise, Kartoffelpüree, Röstzwiebeln und Gurkensalat, alles schnell gemacht, das Püree aus der Tüte. Alles andere als gesund aber doch lecker, erinnerte mich dieses Essen an früher, als die Kinder und die Katze noch da waren. Wir kochten fast jeden Tag, es musste halt schnell gehen, der ganzen Familie schmecken und es musste Zeit für andere Dinge bleiben.

Irgendwie geht mir seither dieser Satz nicht mehr aus dem Kopf: früher, als die Kinder und die Katze noch da waren.

Die Kinder sind ausgezogen, die Katze – bedingt durch mein Asthma – umgezogen. Allen geht es gut, und doch blicke ich gerade zurück auf früher, als die Kinder und die Katze noch da waren.

Ich blicke zurück mit Stolz, dass aus den Kindern „was Ordentliches“ geworden ist, dass sie ihre Wege gehen und dennoch immer irgendwie nahe sind. Ich blicke zurück mit Wehmut, was meinen Kater betrifft, die Trennung war und ist schmerzlich, jedoch unausweichlich. Und dennoch – vielleicht habe ich ja gerade ein Sinnkrise, eine Lebenskrise, Midlife crisis, keine Ahnung.

Mein Leben ist jetzt einfacher, geradliniger, berechenbarer, ich habe mehr Zeit für mich und meine Hobbies, die Wohnung sieht abends so aus, wie wir sie früh verlassen, es passiert nichts, Alltag eben. Eigentlich ist das gut und ich könnte zufrieden sein. Und dennoch, ein bisschen fehlt mir das turbulente Familienleben,das Drunter und Drüber, das Ungewisse, das Unerwartete, das Leben am Plan vorbei und drumrum, das Agieren, das Reagieren, der Trubel und Spaß.

Hach, schön war’s früher, als die Kinder und die Katze noch da waren.

3 comments

  1. Marion’s avatar

    Ist das der Miezinger, den du wegen deines Asthmas weggeben musstest? Das ist aber sehr schade. Dazu kann ich mir denken, dass es schwierig ist, damit umzugehen. Wir hatten unseren Kater ja ungefähr einen Monat nach Holland gegeben, irgendwie hat dann hier doch etwas gefehlt, auch wenn jetzt schon wieder nervt, dass er meint, in ganz vielen Situationen sein Miau geben zu müssen und an mir klebt, sodass ich schon seit Tagen gar nicht mehr gestrickt habe, weil er sich gleich einen Platz auf meinem Schoß sichert, sobald ich im Sessel sitze.
    Dass wir darüber hinaus allein leben, weil unsere fünf Kinder aus unseren früheren Ehen nicht bei uns leben. konnten wir immer schon auch sehr genießen, auch wenn es auf der anderen Seite vor allem an Anfang vor acht Jahren oft nicht leicht war.
    Aber auch in deren Erwachsenenalter nun gibt es immer noch genügend Gelegenheiten, bei denen wir uns kümmern müssen; bei fünf Kindern ganz unterschiedliche Themenbereiche und auf jeden Fall nicht langweilig ;-).

  2. Silke’s avatar

    Ja, das hast du Recht, durch die Kinder ist man ja doch irgendwie immer mit eingebunden, ob sie nun klein oder groß sind.

    Und ja, das war Kater Miezinger, der wohnt jetzt bei meinem Sohn, ist zwar nicht aus der Welt, aber er fehlt mir sehr. Mich hat er zwar auch manchmal genervt, aber andererseits, habe ich es genossen, mit ihm morgens aufzustehen, ihn zu füttern, auf den Balkon zu gehen. Irgendwie hat er mich geerdet und Ruhe und Zufriedenheit gebracht.

    Vielen Dank für deine liebe Worte
    Silke

  3. Marion’s avatar

    Ich habe erst jetzt deine Antwort gelesen, bin irgendwie nicht per Mail benachrichtigt worden wie das eigentlich mit meinen Einstellungen für den Blog der Fall sein sollte. Den Gedanken, dass dich der Kater geerdet hat, finde ich interessant. Vielleicht empfinde ich ein bisschen davon, wenn ich für ein kurzes Schläfchen mit Kater auf dem Schoß im Sessel sitze und habe es nur nicht so betrachtet. Darüber muss ich mal genauer nachdenken.
    Liebe Grüße
    MARiON

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