geplante Obsoleszenz

Da brennt in einer alten Feuerwache in den USA eine Glühbirne, seit 1901. Ununterbrochen gibt die gleiche Glühlampe Licht. Seit nunmehr 110 Jahren. Mittlerweile kann sie durch eine Webcam beobachtet werden und ironischerweise hat sie schon 2 Webcams überlebt.

Das war bevor sich die Glühlampenhersteller bereits in den 1920iger Jahren zu einem Kartell zusammengefunden haben und beschlossen, dass Glühlampen nicht mehr so lange, keinesfalls aber länger als 1500 Betriebsstunden, davon nur 1000 garantiert, halten dürften.  Die Hersteller längerlebiger Produkte wurden mit empfindlichen Strafen belegt. Dies hatte einzig und allein das Ziel, die Umsätze und Gewinne der Konzerne zu steigern.

In den USA kursierte kurzzeitig sogar ein Gesetzentwurf, wonach Verbraucher verpflichtet werden sollten, gekaufte Artikel jeglicher Art und Geräte nach einer bestimmten Zeit an eine Behörde zurückzugeben.

Und so ging es weiter in der Weltwirtschaft, neu erfundene, reißfeste Nylostrümpfe wurden in den 50iger Jahren schnell wieder „überarbeitet“, damit sie kaputt gingen.

Elektrogeräte seit den 80igern haben teilweise sogar Bauteile auf den Leiterplatten, die nach einer bestimmten Zeit, einen Defekt des ansonsten völlig beanstandungsfrei arbeiteten Gerätes vortäuschen. Beispiel dafür sind Drucker und aus jüngster Zeit eben die IPods erster Generation, deren Akku nicht austauschbar war.

Die Verbraucher sollen angehalten werden, ständig neue Produkte zu kaufen, die Weltwirtschaft sollte angekurbelt, die Produktivität erhöht werden, Umsätze und Gewinne sollten maximiert werden; langlebige Produkte soll es nicht geben.

Dies alles kam gestern in einer sehr interessanten Sendung auf Arte. Diese kann noch die folgenden 7 Tage im Internet angeschaut werden.

Ehrlich gesagt, ich war selten so fassungslos. Die Dreistigkeit der Konzerne ist kaum noch zu überbieten. Und auch wenn Verbraucherrechte inzwischen gestärkt und den Konzernen Gewährleistungsrechte abgetrotzt worden sind, hat sich an der grundsätzlichen Handhabung nichts geändert. Jedes Produkt wird hergestellt, um entweder beizeiten defekt im Müll zu landen oder aber noch funktionsfähig aussortiert zu werden, da Nachfolgemodelle zum Kauf verführen; angebotenes Zubehör nicht mehr auf das Ursprungsgerät passt oder der Verbraucher mit neuer Optik oder irgendwelchen Zusatzfunktionen zum Neukauf verführt wird.

Dabei wird mit endlichen Rohstoffen, wie z.B. Erdöl und seltenen Metallen so umgegangen, als stünden diese ewig zur Verfügung.

Zum Schluss landen viele ausgemusterte Geräte auf riesigen Mülldeponien in der dritten Welt, verschmutzen dort die Umwelt und machen die Menschen krank. Ein riesiger Berg des Überflusses der reichen Welt. Auch dies war in dem Film zu sehen.

Gruselig. Wirklich.

1 comment

  1. Julius’s avatar

    Die Webcam gibt es hier zu sehen.

    Sonst kann ich dir in allen Punkten nur recht geben. Selten habe ich eine so sprachlos machende Reportage gesehen.

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