Geisterräder in der Stadt

In Berlin wurden durch den ADFC (Allgemeiner Deutscher Fahrrad-Club) an den Stellen, an denen Radfahrer tödlich verunglückten (2009 – 9 und 2008 – 11 Radfahrer) weiß besprühte Räder mit einem kurzen Hinweis auf das Alter des Radfahrers und den Unfalltag aufgestellt. So steht seit Kurzem an der Kreuzung Greifswalder Str./Thomas-Mann-Str. so ein Rad mit dem Hinweis, 18. November 2009 – 24-jähriger Radfahrer.

Das Geisterrad regt zur Diskussion unter den an der Fußgängerampel wartenden Passanten an.  Da ich diese Kreuzung beinahe täglich benutze, habe ich schon diverse Kommentare gehört, die sich allerdings alle unter einem subsumieren lassen: „Diese Kreuzung ist gefährlich.“

Aber so einfach ist es nicht.

Betrachtet man in Berlin die Gegebenheiten, so ist es für Radfahrer nicht immer einfach, gut und sicher zum Ziel zu kommen. Da teilen sich Radfahrer die Busspur mit den Bussen der BVG, touristischen Bussen, deren Fahrer dies nicht kennen und den alles andere als rücksichtsvoll fahrenden Taxifahrern. Da enden Bus-/Fahrradspuren plötzlich im fließenden Verkehr, das behindern rechtsabbiegende Fahrzeuge die geradeausfahrenden Radfahrer.

Aber auch die Radfahrer fahren alles andere als vorsichtig, rücksichtsvoll und vorschriftskonform. Rote Ampeln, gerade Fußgängerampel zählen für Radfahrer wenig, Radwege werden in beiden Richtungen gefahren, Autos abgedrängt, auf Vorfahrt bestanden, andere Radfahrer werden geschnitten und es wird kurzerhand auch schon mal in entgegengesetzter Richtung auf Fahr- und Busspuren gefahren, sich also in den Gegenverkehr begeben.

Ich denke, man muss immer beide Seiten sehen. Die vollständige Meldung zu diesem Geisterrad lautete nämlich

18. November 2009

Ein 24-jähriger Radfahrer mißachtet von Süden auf der Greifswalder Straße kommend gegen 5:30 Uhr das Rotlicht und prallt auf einen PKW. Der Radfahrer wird schwerverletzt ins Krankenhaus gebracht und erliegt dort am 19. 11. seinen Verletzungen.

Der Radfahrer ist also in völliger Dunkelheit über eine rote Ampel gefahren und wurde wurde von einem PKW erfasst. Natürlich ist es immer tragisch, wenn ein Mensch stirbt. Aber hier wäre es sicherlich angebracht, ebenso an den PKW-Fahrer zu denken, der in diesen Unfall verwickelt wurde, sich verkehrsgerecht verhalten und nun vielleicht auch viele schlaflose Nächte hinter sich hat.

Insgesamt würde ich mir wünschen, die Geisterräder würden  differenzierter Auskunft über den Unfall geben. Denn wie gesagt, so einfach ist das nicht.

2 comments

  1. Marion’s avatar

    Ich finde, du hast völlig Recht, so undifferenziert dargestellt vermittelt das Geisterrad keine korrekte Vorstellung und verleitet leicht zu der Annahme „Radfahrer gut/Autofahrer ganz schlimm böse“.

    Auch in Köln ist die Sicherheit für Radfahrer im Straßenverkehr ein aktuelles Thema und auch hier gibt es viele, mitunter tödliche Unfälle meist beim Rechtsabbiegen von LKWs, aber aus eigener Erfahrung weiß ich, dass Radfahrer sich auch häufig völlig verkehrswidrig und leichtsinnig verhalten und es nicht immer die „bösen“ Autofahrer sind.

  2. Macky KATO’s avatar

    Hello.

    I am Dr. Macky KATO, professor of Nagano Prefectural College, Japan. One of our interests is road safety for bike. the Geisterraeder is good trial to introduce the tragedy to people.
    I would like ask you to allow me use your photograph of Geisterraeder in magazine of raod safety education.

    I am looking forward to your reply.

    best
    Macky

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